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Die "Schwarze Kunst"

Die "Schwarze Kunst"

Ob an dem Vorwurf, die alten Görlitzer hätten es mit Neuerungen nicht eben eilig gehabt, etwas Wahres ist, mag umstritten bleiben. Ab und zu hört man hier ja noch heute den Rat: "Ok ni jechen!" Aber was sagt das schon?
Die Erfindung des Meisters Gutenberg jedenfalls wurde nach spätestens 100 Jahren auch in Görlitz heimisch. Denn nach der Gründung des Gymnasiums im alten Kloster 1565 stieg der Bedarf an Druckschriften rasch an. Eine Papiermühle an der Neiße gab es sogar schon vorher.
Im gleichen Jahre 1565 erwarb Ambrosius Fritsch in Görlitz das Bürgerrecht. Die eben geräumte alte Schule an der Krebsgasse bekam er als Wohnung und Werkstatt, bis er sich 1573 an der Bäckergasse ein eigenes Haus erbauen ließ. 1523 in Oschatz geboren, hatte er in Wittenberg die Buchdruckerei erlernt und dann in Basel und Leipzig - hier bei Johann Rhambaw - gearbeitet. Nach Görlitz holte ihn sein Bruder Dr. Thomas Friedrich Fritsch, der in der Sechsstadt als Stadtphysikus einigen Einfluß besaß. Die Drucklettern bezog Fritsch aus Leipzig. Sein Buchdruckerzeichen war ein Füllhorn.
Noch 1565 führte er sich in Görlitz brav ein, indem er den Katechismus Luthers druckte, sicherlich für den Gebrauch an der Schule. 1566 folgte die Schulordnung des Rektors Peter Vincentius. Überhaupt kamen aus seiner Werkstatt etliche Büchlein für die Schule. Die Kirche ließ sich bei Fritsch mancherlei Flugschriften herstellen, in denen man gegen Papisten und Calvinisten zu Felde zog.
Das brachte dem Drucker Geld, aber auch Ärger mit der Zensur.
Erst 1560 hatte der Kaiser gerügt, "dass im Markgrafentum Oberlausitz hin und wieder in Städten, Märkten, auch sonsten anderen Orten allerlei schändliche Bilder und aufrührerische Traktätel umgetragen, verkauft und unter die Leute ausgebreitet werden sollen". So steckte der Görlitzer Rat diensteifrig den Drucker Ambrosius Fritsch schon 1567 ein Weilchen ins Gefängnis. Der Domdechant Leisentritt aus Bautzen setzte sich jedoch für seine Freilassung ein, weil er ein "unvermögender Mann" sei. Aber auch danach bereitete Fritsch den Zensoren wiederholt Sorge, und es gab Verweise vom kaiserlichen Hof. 1573 beschwerte sich der Laubaner Rat über den Görlitzer Buchdrucker, weil er in einem Spottgedicht aus seiner Werkstatt "Trunkenheit, Vollsäuferei und säuischeVöllerei" den Laubanern nachgesagt worden seien. Unter den Schriften, die Fritsch in Görlitz herausbrachte, war 1567 der Kalender des Bartholomäus Scultetus unter dem Titel "Almanach und Schreibkalender des Jahres Nach Geburt Christi 1568 durch Magister Bartholomäus Scultetus, der mathematischen Künste besonderen Liebhaber; zu Görlitz druckt´s Ambrosius Fritsch".
Kunstvolle Initialen und Figuren ließ sich Fritsch durch die Formenschneider Georg Scharffenbergk und Peter Heller und den Goldschmied Joseph Metzker fertigen. Prachtstücke aus seinem Hause wurden die Görlitzer Stadtansicht von 1565, die Karte des Scultetus vom Lande Meißen von 1569 und die Karte der Oberlausitz, ebenfalls von Scultetus entworfen, von 1593. Mit diesen verdienstvollen Drucken wurde er zum Pionier der "Schwarzen Kunst" in Görlitz. Niemand dürfte ihm heute noch einen Vorwurf daraus machen, daß er um des lieben Geldes willen in der Hauptsache skandalöse Schmähschriftchen und anderen Tageskram herstellte. Vom Ertrag der seriösen Aufträge allein hätte Fritsch seine Familie schwerlich ernährt.
Nach seinem Tode übernahm sein Schwiegersohn Hans Rhambaw Druckerei und Buchhandel. Er richtete eine eigene Schriftgießerei ein und ließ durch den Rat eine neue Papiermühle begründen. In seinem Nachlaß fand man 31 verschiedene Sorten Lettern.
Seitdem achtet und pflegt man in Görlitz die "Schwarze Kunst", denn Tradition verpflichtet.

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