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Görlitzer Sammlungen erhielten Nachlass von Professor Dr. Ernst-Heinz Lemper

Görlitzer Sammlungen erhielten Nachlass von Professor Dr. Ernst-Heinz Lemper

vom 26.02.2019

Der wissenschaftliche Nachlass des Ehrenbürgers der Stadt Görlitz und ehemaligen Direktors der Städtischen Kunstsammlungen, Prof. Dr. phil. habil. Ernst-Heinz Lemper (1924–2007), ist kürzlich der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften übergeben worden. Es handelt sich dabei um Dokumente und Fotografien, die die umfänglich ausgerichteten Forschungen Lempers widerspiegeln.

Neben der 1950 verfassten kunstgeschichtlichen Dissertation befinden sich darunter auch Untersuchungen zum Kirchenbau, zur Handelsstraße via regia und zu Personen wie Jacob Böhme, Paracelsus oder Adolf Traugott von Gersdorf. Rund 250 Einzelpositionen listet das kürzlich erstellte Findbuch auf. Der jetzt erschlossene Bestand lagert in 33 Archivkartons. „Wir hoffen, dass dieses Material die Grundlage für weitere Forschungen bildet.“, sagt Bibliotheksleiter Dr. Steffen Menzel. 

Nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Architektur hatte Ernst-Heinz Lemper im November 1951 mit gerade einmal 27 Jahren die Leitung des Museums übernommen, das kurz zuvor aus den Sammlungen der 1945 aufgelösten Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, der Milichʼschen Stadt- und Gymnasialbibliothek sowie den ur- und frühgeschichtlichen Fundstücken und weiteren Teilbeständen gebildet worden war. Über viele Jahrzehnte prägte er maßgeblich die museale Entwicklung von Kaisertrutz und Barockhaus Neißstraße 30. Zudem stand er im Bemühen um den denkmalpflegerischen Erhalt der Stadt an vorderster Stelle. Seinem Engagement ist es auch zu verdanken, dass sich die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften nach 45-jähriger Zwangspause im Jahr 1990 auf der Bautzener Ortenburg wieder begründet hat. Von 1990 bis 1999 trug er als deren erster Präsident entscheidend zur Profilierung und thematischen Neuausrichtung bei. Mit zahlreichen Publikationen und Vorträgen über Görlitz, die Oberlausitz, die Beziehungen zu Böhmen und Schlesien oder zur Religions- und Philosophiegeschichte bereicherte Prof. Lemper den wissenschaftlichen Diskurs in vielfältiger Weise. Für die Görlitzer Museumsgeschichte dürfte interessant sein, dass Lemper jede seiner seit 1952 gehaltenen Eröffnungsreden zu Ausstellungen mit einem Durchschlag archivierte. In den Jahren von 1970 bis etwa 1985 brachte sich Ernst-Heinz Lemper sehr aktiv in die Diskussion zur Ausrichtung des Museologie-Studiums in der DDR ein. Immer wieder rückte er durch Einzelstudien Gebäude der Görlitzer Altstadt oder Kunstwerke des Museums ins Licht der Öffentlichkeit.
In seinen letzten Lebensjahren arbeitete Prof. Lemper intensiv an der Monografie über den spiritus rector der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Karl Gottlob v. Anton (1751–1818), der ohne Zweifel zu den wichtigsten Protagonisten der Oberlausitzer Spätaufklärung gehörte. Allein die Auswertungen des erhaltenen Briefwechsels, die Auszüge zeitgenössischer Literatur und die biografischen Notizen zu Antons Weggefährten füllen mehrere Ordner. Dem Wissenschaftler Lemper war es leider nicht mehr vergönnt, die Arbeiten daran zum Abschluss zu bringen. Seine Vorarbeiten bilden heute aber eine gesicherte Basis für kommende Bearbeiter und stehen nun jedem Interessierten zur Verfügung. Für die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften gehört der Nachlass Prof. Ernst-Heinz Lempers ab sofort zu den wichtigsten Überlieferungen.

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