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Die DDR und der Tippelmarkt

Die DDR und der Tippelmarkt

vom 15.07.2016

Jasper v. Richthofen, Christian Hanzig, Agnieszka Lemmer und Robert Lorenz (von links) mit ihrem Feuerwehr-Barkas B 1000: ab 14 Uhr am Sonnabend können Görlitzer sich über das neue Projekt zur DDR-Geschichte informieren.

Die Deutsche Demokratische Republik hat manche Scherben im Leben der Görlitzer hinterlassen. Es gibt aber auch wundervolle Erinnerungen an eine Zeit, die nicht so schnelllebig und unpersönlich empfunden worden ist. Und weil der Görlitzer Tippelmarkt auch Vergangenheit und Zukunft, Töpferkunst und Scherben vereint, startet am Sonnabendnachmittag auch das neue Projekt „Erfahrung DDR!“ – von und für Görlitzer.

 

Sonnabendvormittag wird 10 Uhr der Tippelmarkt eröffnet – und Tausende werden sich ganz in Familie der Töpferkunst und dem bunten Markttreiben in Görlitz hingeben. Dann werden Marianne Scholz-Paul als Tippelweib und Töpfermeister Meißner aus Trebus erneut zur Freude der Gäste Töpfe zerschlagen und ihren traditionellen Streit vor den Gästen austragen. Das ist gelebte Görlitzer Tradition.

Geschichte spielt bei diesem Tippelmarkt noch eine besondere Rolle. Denn die DDR spaltet immer noch. Junge Görlitzer bis 25 Jahre haben keine persönliche Erinnerung an die Deutsche Demokratische Republik. Für die älteren Bürger der Stadt, ist die DDR erlebte Geschichte. Beide eint, dass der Inhalt der unzähligen Geschichtsbände zum Thema ihre Lebenswelt nicht erfasst – sofern sie nicht mit eigenen Memoiren oder als Historiker Lebensgeschichten dokumentieren. Genau dort setzt jetzt das Kulturhistorische Museum Görlitz gemeinsam mit dem Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V. (FVKS e. V.) sowie vielen weiteren lokalen Partnern und Akteuren an. Ziel des Projekts „Erfahrung DDR!“ ist es, den Görlitzern und ihren Erinnerungen buchstäblich einen Raum zu geben. Denn die Bürger der Stadt erhalten jetzt die einmalige Chance, ihre Erinnerungsstücke und die Geschichten dahinter für Ausstellungen, Diskussionsrunden und Vorträge zu verleihen. Gesucht werden dafür Objekte vom Trabi-Lenkrad über das Zwiebelmusterporzellan bis hin zum Kassettenrekorder „made in GdR“, die blecherne Kaffeemühle, diverse Sportabzeichen, offizielle Fotografien, den Standard-Schwibbogen  oder das Diamant-Fahrrad. Es geht also um Erinnerungsstücke, welche die Älteren aus ihrem damaligen Alltag kennen – und ihre jüngeren Mitbürger vielleicht als Kultobjekte bezeichnen würden.

In diesem einzigartigen Projekt gestalten also Görlitzer eine Ausstellung mit Geschichten zur Geschichte für ihre Mitbürger. Der oberste Kurator, Museumsleiter Jasper v. Richthofen, sagt dazu: „Es müssen keine spektakulären Kunstobjekte mit großem Schauwert sein, sondern wir wollen wissen, was sich Görlitzer vielleicht aus der DDR zurückwünschen – und worauf sie aus heutiger Perspektive gerne verzichten würden.“ Auf dem Untermarkt haben die Bürger am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr Gelegenheit, sich am originalen Feuerwehr-Barkas B 1000 über das Projekt informieren. Wer will, kann dort auch Exponate mit persönlichen Geschichten dazu vorbeibringen.

Schon vor dem offiziellen Startschuss des Projektes ist klar, dass diese Idee eine großartige Chance der Verbindung von Generationen in sich birgt. Auch die Kulturstiftung des Bundes sieht das so und fördert einen Großteil des Projekts durch den „Fonds Stadtgefährten“.  Und der ungewöhnliche Projektansatz von „Erfahrung DDR!“ begeistert auch den Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege. Nach der Projektvorstellung sagt er: „Ich werde auf dem Dachboden meines Hauses nach solchen Erinnerungsstücken suchen – und ganz sicher was finden.“ Er denke da zwei, drei Sachen – die er nie wegwerfen konnte, obwohl sie von neueren Gebrauchsgegenständen ersetzt worden seien. Der Oberbürgermeister freut sich deshalb darauf, die Anekdoten der Görlitzer zu diversen DDR-Gegenständen zu erfahren. „Wenn Geschichte auf diese Art plastisch dargestellt wird, bleibt sie auch jenen in Erinnerung, die nicht daran Anteil hatten – das ist hier die große Chance der Görlitzer“, so Siegfried Deinege.  

 

Wie es mit dem Projekt „Erfahrung DDR!“ 18.11.2016 bis 03.04.2017 weitergeht:

Mit einem originalen Feuerwehr-Barkas B 1000 der Ortsfeuerwehr Ludwigsdorf sind die Projektkoordinatoren Agnieszka Lemmer und Robert Lorenz in den nächsten Wochen zu Orten unterwegs, wo sie möglichst viele Görlitzer antreffen. Sie werden erste Exponate mit Geschichten entgegennehmen. Die Infotour startet am 16. Juli beim Schlesischen Tippelmarkt. Der rote Barkas wird von 14:00 bis 18:00 Uhr auf dem Untermarkt stehen.

 

Weitere Einsatztermine des roten DDR-Sammelbarkas:

Sonntag, 31.7., 14:00 bis 18:00 Uhr / Familientag mit Hafenfest am Berzdorfer See

Samstag, 13.8., 13:00 bis 17:00 Uhr  / ASB Sommerfest beim ASB-Heim, Grenzweg 8

Mittwoch, 17.8., 10:00 bis 14:00 Uhr / Marienplatz

Mittwoch, 7.9., 14:00 bis 18:00 Uhr / Lidl Rauschwalde, Reichenbacher Straße 53B

Sonntag, 11.9., 10:00 bis 18:00 Uhr  / DDR-Fahrzeugparade, unterer Elisabethplatz

Mittwoch, 14.9., 14:00 bis 18:00 Uhr / Edeka-Markt, Dresdener Straße 21

Sonntag, 2.10., 13:00 bis 18:00 Uhr  / Verkaufsoffener Sonntag/Marienplatz

Samstag, 8.10., N.N. / Nachtflohmarkt in der Landskron Brauerei

 

Darüber hinaus können mit den Koordinatoren Termine vereinbart werden:

Agnieszka Lemmer, Telefon 03581 7678343, E-Mail a.lemmer@erfahrung-ddr.de

Robert Lorenz, Telefon 03581 7678344, E-Mail r.lorenz@erfahrung-ddr.de

 

 

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