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Sonderausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“

Sonderausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“

vom 25.07.2017

bis 31. Oktober 2017
Ort: Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1

Seit 1995 schenkte ein unbekannter Gönner der Stadt Görlitz jährlich eine Million DM, später 511.500 Euro, für den Erhalt der Görlitzer Kulturdenkmale.

Mit der ersten Überweisung vom 12. Oktober 1995 war die Auflage verbunden, eine Stiftung zu gründen. Der Überweisungsträger mit der Gutschrift der ersten Altstadtmillion, gesendet am 12. Oktober 1995, ist eines der Exponate der neuen Sonderausstellung.
Seit 1996 konnten die Eigentümer von Görlitzer Denkmalen Förderanträge bei der Altstadtstiftung Görlitz einreichen. Über die Verteilung der Mittel entschied einmal im Jahr ein Kuratorium unter Vorsitz des Oberbürgermeisters. Weitere Mitglieder sind der amtierende Bürgermeister, der Leiter des Sachgebietes Denkmalschutz, ein Vertreter einer bürgerschaftlichen Initiative und der Treuhänder des Stifters. Die Verwaltung der Stiftung liegt in den Händen des Sachgebiets Denkmalschutz der Stadt Görlitz.

Etwa 60 bis 80 Maßnahmen wurden jedes Jahr bewilligt, in Summe kamen über 1.200 Projekte in den Genuss dieser zusätzlichen Förderung. Eine Auflistung aller Förderobjekte enthält das Buch zur Altstadtstiftung, das im Zusammenarbeit mit dem Monumente-Verlag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Sommer 2017 folgen wird. Oft waren es kleinere Beträge, die an private privaten Bauherren, Vereine, kirchliche und kommunale Einrichtungen ausgereicht wurden. All diese verschönerungsmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass sich die Stadt ihren Bewohnern und Gästen in wiedererblühter Schönheit präsentieren kann. Mit diesem „Wunder“ hat die Stadt weit über ihre Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt. Für die Ausstellung wurden Berichte auszugsweise in einer Box zusammengestellt.

Die Spuren lassen sich in der Altstadt gut nachverfolgen, denn ein großer Teil der geförderten Objekte wurde mit der Plakette der Altstadtstiftung Görlitz gekennzeichnet.
Wer hinter der großzügigen Schenkung steht und warum Görlitz bedacht wurde, ist und bleibt auch weiterhin ein gut gehütetes Geheimnis. Mit der Verleihung des „Premio Rotondi Salvatori dell‘ Arte“ in der Kategorie „Europa“ am 18. Juni 2005 wurde die/der große Unbekannte für ihr/sein uneigennütziges Engagement geehrt. Den Preis nahmen damals Oberbürgermeister Prof. Dr. Rolf Karbaum und Kuratoriumsmitglied Joachim Rudolph in der italienischen Stadt Sassocorvaro entgegen. Was die Vertreter der Stadt Görlitz bei ihrer Reise zur Preisverleihung nach Italien erlebten, erfahren die Besucher in einem Video von Joachim Rudolph, der ihnen in der Sonderausstellung an einer der Stationen in Lebensgröße begegnet. Und auch der bronzene Premio Rotondi Salvatori dell‘ Arte wird in der Ausstellung gezeigt.

 

Mit dem Eintreffen der letzten Zahlung in Höhe von 340.000 Euro bei der Stadt eintraf, war den Stadtvätern und dem Stiftungskuratorium klar, dass das Wunder damit nicht still und leise zu Ende gehen kann. Mit dieser Ausstellung soll stellvertretend für viele Begünstigte der tiefen Dankbarkeit der Stadt für das große uneigennützige Engagement des Spenders Ausdruck verliehen werden. In Audios äußern sich unter anderem Evelin Mühle, Leiterin Eigenbetrieb Städtischer Friedhof, Christian Freudrich, Landschaftsarchitekt im Sachgebiet Stadtgrün der Stadtverwaltung Görlitz, Gerd Richter, Vorstandsmitglied des Vereins Bergbaulicher Zeitzeugen Berzdorf-Oberlausitz e.V. und Thomas Backhaus, Leiter der Abteilung Bauerhaltung/-betreuung im Bistum Görlitz. Per Video schließen Besucher auch die Bekanntschaft mit Rayk Grieger, Diplom-Restaurator, Michael Hoffmann, Eigentümer und Hotelier Büttnerstraße 13 und Margrit Kempgen, Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz, die über ihre Erfahrungen mit der Altstadtstiftung berichten. Zu sehen ist in der Ausstellung auch der Film „Görlitz im Wandel“ mit Aufnahmen, die die Stadt vor mehr 25 Jahren zeigen.

Die Sonderausstellung wird unterstützt von der Altstadtstiftung Görlitz und der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Das Konzept und die Gestaltung hat das Kulturhistorische Museum in Zusammenarbeit mit dem Dresdener Büro whitebox realisiert, die Auswahl der in der Ausstellung dargestellten Projekte erfolgte i  gemeinsam mit dem SG Denkmalschutz der Stadtverwaltung Görlitz.

Das „Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“ wird in der Ausstellung anhand von 19 beispielhaften Förderprojekten sichtbar gemacht. Zu Wort kommen verschiedene Akteure  ̶  Handwerker und Restauratoren, Eigentümer und Nutzer, die aus ihrer persönlichen Perspektive die Erfahrungen mit der Altstadtstiftung, bei der Sanierung und Wiederbelebung von einmaligen Kulturdenkmalen in Görlitz beschreiben.

 

Projekte:

Schönhof (Schlesisches Museum zu Görlitz), Brüderstraße 8 - gefördert in den Jahren 1996, 1997, 2002, 2003, 2004 und 2005

Die klare Renaissance-Gestaltung des Schönhofs war für weitere Görlitzer Bürgerhäuser beispielgebend und trägt unverkennbar die Handschrift des seit 1517 hier tätigen Stadtwerkmeisters Wendel Roskopf d.Ä. Das Haus wird heute durch die Laube mit dem Erker sowie den rekonstruierten Giebel und den Dachreiter charakterisiert. Die Wiederherstellung des Giebels sowie des Türmchens erfolgte 1995 anhand von Baubefunden und historischen Ansichten. Die Anzahl und Vielgestaltigkeit der bemalten Holzbalkendecken im Haus aus der Renaissancezeit ist beachtlich. Elf der einst 13 Decken sind teilweise oder weitgehend vollständig erhalten. Von der Altstadtstiftung wurden die Arbeiten an der Fassade und in ausgewählten Räumen unterstützt. In der Sonderausstellung werden ein Portalfragment mit weiblichem Porträt, um 1530, aus Sandstein sowie der Sägeschnitt einer Holzbalkendecke in unrestauriertem Originalzustand gezeigt.

 

Hotel „Dreibeiniger Hund“, Büttnerstraße 13 - gefördert in den Jahren 1997, 1998, 1999, 2000 und 2005

Hinter der schlichten Fassade des Hauses verbirgt sich ein spätmittelalterliches Hallenhaus, das wohl als Nachahmung der Patrizierhäuser entstand. Doch erst nach dem Abbruch jüngerer Zwischenwände bei der letzten Sanierung wurden diese älteren Strukturen wiederentdeckt. Das mit Unterstützung der Altstadtstiftung restaurierte hölzerne Treppenhaus erschließt alle Geschosse und Bereiche des schmalen, aber tiefen Hauses. Auch Farbuntersuchungen und andere Restaurierungen wurden durch die Altstadtstiftung unterstützt. Der Eigentümer hatte bei der Sanierung des Hauses die ausgestellten mehrfarbig glasierten Teller in der Schüttung über den Gewölbekappen des Renaissancesaals gefunden, die aus einer schlesischen Töpferei stammen. Ein weiterer Fund aus dem Bauschutt des Hauses, der zugleich den Anstoß für die Namensgebung des Hotels gab, ist ein Handstrichziegel mit dem Abdruck einer Hundepfote aus der Zeit um 1700.

 

Stahlhaus, Friedrich-Engels-Straße 25 - gefördert in den Jahren 2012, 2013 und 2014

Das mintgrüne Einfamilienhaus steht seit 2013 auf dem Grundstück der Gärtnerei Wähner, ursprünglich befand es sich seit 90 Jahren in der Reichenbacher Straße 18. 2012 erfolgte der Abbau des aus Stahlplatten zusammengefügten Hauses. Es handelt es sich um ein Fertighaus „Haus Norm Ia Sonne“ der Leipziger Tresorbaufirma Braune & Roth. Die Konstruktion ist eine Mischform aus Tafel- und Skelettbauweise. Die Grundstruktur bilden Stahlträger, an denen vorgefertigte Stahltafeln montiert sind. Von der Altstadtstiftung wurden die Umsetzung des Hauses und die Aufarbeitung der Stahlteile gefördert.

Für die Ausstellung stellte der Eigentümer mehrere Exponate zur Verfügung, darunter originale Fensterbretter, die nicht wiederverwendet werden konnten. Des Weiteren werden Wandsegmente mit Einschusslöchern gezeigt, die von Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs stammen und  von sowjetischen Tieffliegern im Frühjahr 1945 verursacht worden sein dürften.

 

Wohnhaus Joliot-Curie-Straße 5 - gefördert in den Jahren 2006, 2007, 2008, 2010 und 2011

Das Wohnhaus ist ein Gesamtkunstwerk des Jugendstils. Die Restaurierung der Fassade und des Treppenhauses wurde von der Altstadtstiftung unterstützt. Erbauer und Eigentümer des 1903 errichteten Mehrfamilienhauses war der Maurermeister Franz Grunert. Dass sich der Originalzustand des Gebäudes so hervorragend erhalten hat, ist den langjährigen Besitzern zu verdanken. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zeigt sich das Jugendstilhaus heute wieder in seiner ganzen Pracht. Die denkmalgerechte Instandsetzung des Treppenhauses ist vom Malermeister und Restaurator Eric Hamann aus Königshain ausgeführt worden, der die  ausgestellten Schablonen für die Wiederherstellung der Treppenhausbemalung selbst gefertigt hat. Besucher können auch die originale Lincrusta-Tapete (1905) sowie ein Imitat aus Zellulose bestaunen.

 

Loënsches Gut, Kastanienallee 23 - gefördert in den Jahren 2003, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016

Hierbei handelt es sich um das Vorwerk bzw. den Oberhof des Dorfes Klein Biesnitz. Den Namen trägt es nach August Freiherr von Loën (1843-1929), der es 1896 erwarb und bauliche Veränderungen vornahm. Seine Erben veräußerten den Besitz 1933 an die Stadt Görlitz. Zum einstigen Herrensitz gehörten ein Landschaftspark sowie ausgedehnte landwirtschaftliche Flächen zwischen Görlitz-Weinhübel, Kunnerwitz und Biesnitz. Die Stadt Görlitz gründete 1933 hier das Stadtgut, das bis heute unter diesem Namen als eigenständige GmbH im Obstbau und in der Tierhaltung tätig ist. Zu DDR-Zeit diente zu DDR-Zeiten als Lehrlingswohnheim und war Verwaltungssitz der VEG Obstproduktion Kunnerwitz. 2006 wurde es nach langem Leerstand an zwei Familien verkauft, die die Gutsgebäude Schritt für Schritt mit Hilfe der Altstadtstiftung und maßgeblich in Eigenleistung sanieren.

In der Ausstellung werden Kachelfragmente des alten Kamins aus dem getäfelten Erkersaal sowie ein Turmmodell um 1995 gezeigt. Leihgeber ist die Eigentümergemeinschaft Loënsches Gut.

 

Kirchen/kirchliche Trägerschaft:
Frauenkirche - gefördert in den Jahren 1996, 1997, 1998, 1999, 2001, 2002, 2003, 2005, 2006, 2007, 2010, 2011, 2012 und 2013

Die Weihe des bestehenden spätgotischen Gebäudes erfolgte im Jahr 1473. Die Steinmetzarbeiten am Westportal mit der Verkündigungsgruppe, die Schlusssteinreliefs, die Maßwerke der Fenster und die Brüstung der Orgelempore gehören zu den qualitätsvollsten ihrer Art in der Oberlausitz. Die jetzige neogotische Ausstattung stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Kirche durch die anwachsende Görlitzer Bevölkerung eine eigene Gemeinde erhielt.

Vom ersten Spendenjahr 1996 an bis 2013 unterstützte die Altstadtstiftung immer wieder die Restaurierungsvorhaben. Ging es anfangs um vergleichsweise kleinere Arbeiten an den Fenstern der Sakristei, so wurde seit 2001 die Generalsanierung unterstützt. Dank des großen Engagements der Kirchgemeinde, der Förderungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Altstadtstiftung konnte diese innerhalb von knapp zehn Jahren umgesetzt werden.

Eins von zwei während der Sanierungsarbeiten aufgefundenen originalen Oberteile der Standleuchter von 1870/71 aus dem Altarraum wird in der Ausstellung gezeigt. Die Holzscheibe und der Holznagel stammen aus dem Dachstuhl des Chores der Frauenkirche. Eine Dendrochronologie ergab, dass der Baum, aus dem diese Holzscheibe stammt im Winter 1445/46 gefällt worden ist, der Baum wahrscheinlich 130 Jahre alt und 30 Meter hoch war.

 

Nikolaikirche - gefördert in den Jahren 2009, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016

Die 1298 erstmals schriftlich erwähnte Nikolaikirche war bis ins 15. Jahrhundert die Pfarrkirche der Stadt. 1925 begann die Umgestaltung zur Gedächtniskirche für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs der evangelischen Stadtgemeinde. Mit den Arbeiten beauftragt wurde Martin Elsässer, der Direktor der Kölner Kunstgewerbeschule. Nach seinen Entwürfen entstand ein expressionistisches Gesamtkunstwerk. Die Altstadtstiftung unterstützte die Rekonstruktion der Malerei sowie die Putzsanierung, das Streichen von Treppengeländer und Nordportal (nach Befunduntersuchung auf historische Farbigkeit) wie auch die Vorzeichnung des Bibelzitats unter dem Fenster.

Die Sandsteinfiguren der Heiligen Nikolaus und Katharina stammen vom Südportal der Nikolaikirche und geben Zeugnis von der Arbeit hervorragend geschulter Steinmetze. Seit 2015 wird die Restaurierung des Portals von der Altstadtstiftung unterstützt. Die Figuren wurden Ende 2016 bis Anfang 2017 in einem Wasserbad entsalzt, die Steinsubstanz wurde gefestigt und kleinere reversible Ergänzungen und farbliche Retuschen vorgenommen. Die Heiligenfiguren aus dem Jahre 1517 sind eine Leihgabe der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz.

 

Nikolaifriedhof - gefördert in den Jahren 1998, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015

Der Nikolaikirchhof ist der älteste Friedhof der Stadt Görlitz. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war er der wichtigste Bestattungsort der Stadt. Etwa 800 Grabmäler haben sich aus der Zeit zwischen 1600 und 1850 erhalten. Die reich dekorierten Grufthäuser auf dem Gelände lassen den Wohlstand einiger Görlitzer Kaufmannsfamilien erkennen. Der Nikolaikirchhof zählt heute zu den herausragenden Friedhofsdenkmalen in Deutschland.

Die Sandsteinfigur vom Epitaph im Grufthaus Moller stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und wurde von der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz leihweise zur Verfügung gestellt.

 

Heiliges Grab - gefördert in den Jahren 1996, 1997, 2000, 2002, 2003, 2004, 2010 und 2015

Das Görlitzer Heilige Grab hebt sich von der Vielzahl ähnlicher Anlagen des Mittelalters durch den umgebenden Landschaftspark und das Architekturensemble aus Kreuzkapelle, Salbhäuschen und der eigentlichen Grabkapelle ab. Kern der Anlage ist die Nachbildung der Heiliggrabkapelle in Jerusalem, wie sie vor dem Umbau von 1555 bestanden hatte. Während in den ersten Jahren die Sanierung der Kapelle im Vordergrund stand, so galt die finanzielle Unterstützung durch die Altstadtstiftung zuletzt der Schadensbeseitigung an allen drei Bauten.

Die Station wird ergänzt durch ein Modell der Heilig-Kreuz-Kapelle aus Holz sowie ein Bildnis des Görlitzer Handelsherrn Georg Emmerich, der auf seiner Pilgerreise ins Heilige Land 1465 in Jerusalem zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde. Es handelt sich dabei um Leihgaben der Evangelische Kulturstiftung Görlitz

 

Lutherkirche - gefördert in den Jahren 2006, 2007, 2008, 2013, 2014, 2015

Zwischen 1899 und 1901 entstand die erste neu erbaute evangelische Kirche von Görlitz. Ihre Errichtung war notwendig, da die Bevölkerungszahl der Stadt mit der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sprunghaft angestiegen war. Als Architekt wurde Eugen Arno Fritsch (1858–1939) aus Elberfeld bei Wuppertal beauftragt, der diesen neoromanischen Zentralbau mit seiner beeindruckenden Raumwirkung entwarf. Im Inneren haben sich die historistische Ausmalung, Altar, Kanzel und Taufstein aus Terrakotta und Kalkstein sowie ein Wandgemälde und die großen Farbglasfenster als Gesamtkunstwerk erhalten. Vor zehn Jahren begann die Kirchgemeinde mit der Sanierung. Finanzielle Mittel dazu kamen vom Bund, vom Freistaat Sachsen, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Görlitzer Altstadtstiftung und der evangelischen Innenstadtgemeinde. Der Abschluss der Außensanierung ist für 2017 geplant.

Pfarrkirche St. Peter und Paul - gefördert in den Jahren 1997, 1998, 2000, 2001, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2014, 2015 und 2016

Für den Unterhalt des Gebäudes und dessen Ausstattung konnten über viele Jahre Gelder der Altstadtstiftung eingesetzt werden. So wurde 2006 eine denkmalpflegerische Zielstellung für das gesamte Bauwerk (ausgenommen der Türme und Westfassade) erstellt. Weitere Unterstützung gab es zum Beispiel für Arbeiten an den Türmen, der Westfassade sowie den Sandsteinsäulen und der Wandmalerei in der Georgenkapelle.

In der Sonderausstellung werden u.a. das Modell einer Kreuzblume der Türme und originale Pfeifen der Sonnenorgel aus Blei gezeigt. Die Leihgaben stammen von der Evangelischen Innenstadtgemeinde Görlitz.

 

Gusseiserner Pavillon Kränzelstraße 35 - gefördert in den Jahren 2007, 2008 und 2009

Der Pavillon im Garten des Hauses wurde um 1860 auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet. In seiner Konstruktion ist der Pavillon ein Beispiel für die Entwicklung des schlesischen Eisenkunstgusses. Vor Beginn der Restaurierung im Jahr 2007 befand sich der Pavillon in einem desolaten Zustand. Das Dach sowie zahlreiche Einzelteile fehlten, so dass viele Elemente nachgegossen werden mussten. Die Gussmodelle im Maßstab 1:1 fertigte ein Holzbildhauer. Der Guss erfolgte in Radeberg bei Dresden.

Das gusseiserne Fragment der originalen Brüstung um 1860 ist eine Leihgabe des Görlitzer Fortbildungszentrums für Denkmalpflege e. V.

 

Wohn- und Geschäftshaus „Zum Goldenen Apfel“ Neißstraße 24 - gefördert in den Jahren 2002, 2003, 2011 und 2015

Die Geschichte des Hauses reicht bis in die Zeit um 1300 zurück. Das Gebäude wurde mehrfach erweitert und baulich immer wieder verändert. Von den 1886 eingerichteten Gasträumen mit dem Namen „Zum Stadtbild“ hat sich eine alte Stadtansicht erhalten, die mit Mitteln der Altstadtstiftung restauriert werden konnte und ihren Platz in der Halle des Hauses gefunden hat. Die Altstadtstiftung unterstützte 2002 auch Untersuchungen im Vorfeld der Baumaßnahmen sowie 2003 umfangreiche Arbeiten an den Decken des ersten und zweiten Obergeschosses. Mit Hilfe von Schablonen wurden die Stuckleisten für die Decke neu angefertigt. Die hier verwendete Schablone stellten die Hauseigentümer als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung. Auch diverse Stücke aus dem Alltag der früheren Bewohner, die während der Sanierungsarbeiten im Hof geborgen wurden, sind im Kaisertrutz ausgestellt.

 

Kulturhistorisches Museum Barockhaus Neißstraße 30 - gefördert in den Jahren 2010 und 2011

Im Inneren sind die barocken Raumfolgen erhalten, in der Beletage befinden sich zudem Stuckdecken von allerhöchster Güte. Sie konnten im Winter 2010/11 mit Unterstützung der Altstadtstiftung von jüngeren Farbanstrichen befreit werden. Erst dadurch kamen alle Details und die ursprüngliche Farbigkeit wieder zum Vorschein.
In der Sonderausstellung gezeigt werden der Schlussstein Handwerk 2 mit einem Spiegelmonogramm von Christian Ameiß, 1729, Delfter Fliesen, die in der Fußbodenschüttung während der Gebäudesanierung als Fundstücke zum Vorschein kamen, sowie Tapetenreste der Wanddekoration um 1850 (Leihgabe Restaurator Eric Stenzel).

 

Hallenhaus Peterstraße 14 - gefördert in den Jahren 2006, 2008, 2009 und 2011

Das Wohnhaus entstand um 1450 in geschlossener Bebauung, spätmittelalterliches dreizoniges Görlitzer Hallenhaus, am Portal Schlussstein mit Wappenkartusche der Familie Schön, 1751 wurde hier Bürgermeister Samuel August Sohr geboren

Das auffälligste Merkmal im Inneren des großen Brauhofes ist eine Wendeltreppe mit einer hölzernen Spindel aus dem späten 17. Jahrhundert. Bis heute wird das gesamte Gebäude über die Treppe erschlossen. Während der Restaurierung 1961 bis 1963 wurde dieses ausgestellte Spindelstück ausgetauscht.

 

Weberstraße/Untermarkt 1 - gefördert in den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015

Für das 1854 errichtete Haus kam die Sanierung im Jahr 2012 gerade rechtzeitig. Wenige originale Details waren im Hausinneren erhalten. Im Eingangsbereich und im Treppenhaus wurde mit Hilfe der Altstadtstiftung liebevoll die mit Schablone tapetenartig aufgebrachte Wandbemalung wiederhergestellt. Auch die Rekonstruktion der Fassade und der Kastenfenster erfolgte mit Unterstützung der Altstadtstiftung.

Für herausragende Verdienste zur Rettung des Hauses erhielt der Hausherr und Architekt, Christian Weise, 2014 den Bauherrenpreis der Arbeitsgemeinschaft Historische Städte. Zu sehen ist dieser ebenso in der Ausstellung wie der Rest der originalen hölzernen Kastenfensteranlage, gegen 1854, Holz.

 

Ehemalige Synagoge Otto-Müller-Straße - gefördert in den Jahren 2001, 2006, 2009, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016

Als Ersatz für die zu eng gewordene alte Synagoge in der Langenstraße wurde ein größerer Neubau notwendig. Die Architekten William Lossow und Max Hans Kühne schufen ein monumentales und zugleich zurückhaltendes Bauwerk zu schaffen, das dem Stellenwert der jüdischen Gemeinde in der Stadt Görlitz entsprach. Die Pogromnacht 1938 überstand das Haus glimpflich. Die darauffolgenden Jahrzehnte setzten dem Gebäude weitaus mehr zu. Die Wiederherstellung der ehemaligen Synagoge bis ins kleinste Detail ist das umfangreichste Denkmalprojekt der letzten zehn Jahre in Görlitz. Entsprechend aufwändig sind die Arbeiten, die regelmäßig von der Altstadtstiftung unterstützt werden.

Zum Vorschein kam dabei unter anderem eine russische Munitionskiste, in der Fundstücke gelagert worden waren, wie  Marmorbruchstücke und Stuckteile, angekohlte Holzreste des Gestühls, Holzteile der Empore. Diese originalen Stücke werden möglichst wiederverwendet. Sie dienen auch als Vergleichsmaterial für die Rekonstruktionsvorhaben in der Synagoge.

Am Almemor-Bereich wurden Schuhe aus den 1970er Jahren eingemauert. Warum und wie sie dahin gelangten, ist bislang ungeklärt. Die Besucher können dazu gern ihre Meinung äußern. Auf diese Weise hofft das Kulturhistorische Museum auf Hinweise, die dieses Rätsel lösen helfen.

 

Muschelminna-Brunnen auf dem Postplatz - gefördert in den Jahren 1996, 2009 und 2016

Den imposanten Kunstbrunnen, von den Görlitzern liebevoll „Muschelminna“ genannt, ziert die römische Naturgöttin Flora dargestellt, die eine Muschel emporstemmt, aus der das Wasser herabfließt. Die Bronzefigur wurde nach den Entwürfen von Robert Toberentz in der Kunst- und Glockengießerei in Lauchhammer hergestellt. Den Sockel des Brunnens fertigte der Berliner Bildhauer Franz Ochs aus italienischem Marmor. Der Kunstbrunnen liegt heute wieder im Schnittpunkt zweier Wege. Die gartenkünstlerische Platzgestaltung entstand 1888, war 1938 grundlegend umgestaltet worden. Die originale „Muschelminna“ wurde im Juli 1942 für die Kriegsrüstung eingeschmolzen und kehrte, anhand von Fotos rekonstruiert, 1994 wieder an ihren Platz zurück. Mit Unterstützung der Altstadtstiftung wurde 1996 der Marmor des Brunnens gereinigt, 2009 eine Sanierungskonzeption erstellt und 2016 der fehlende Speer ersetzt. Das Modell der bronzenen Brunnenfigur von Friedemann Klos ist Exponat der Sonderausstellung.

 

Jugendbauhütte im Scharfrichterhaus – jährlich gefördert von 2003 bis 2016

Im Rahmen der Restaurierungsmaßnahmen diente das Haus zunächst als Lehrobjekt für die Ausbildung von Restauratoren im Handwerk. Seit 2003 hat die Jugendbauhütte Sachsen hier  ihr Domizil, in der das Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege absolviert werden kann. Sechs Mal kommen alle FSJler in Sachsen  zu einwöchigen Seminaren zusammen, von denen fünf in Görlitz stattfinden. Die praktischen Arbeiten erfolgen während dieser Zeit auf dem Gelände des Scharfrichterhauses. So gehört auch der Erhalt der Bauten und der Grünanlagen zu ihren kontinuierlichen Aufgaben. Die Altstadtstiftung förderte zwei Einsatzstellen im Sachgebiet Denkmalschutz der Stadt Görlitz. In der Ausstellung schildern die FSJler Marielene Groß, Jessica Sporka und Marvin Grün ihre Erfahrungen in der Jugendbauhütte.

Ausgestellt sind drei große Marionetten, die vor einigen Jahren während der Seminarwochen in Vorbereitung auf ein Theaterstück angefertigt wurden sowie ein von FSJlern aufgearbeitetes Bleiglasfenster aus dem 19. Jahrhundert.

 

Ausstellungsbesucher werden aktiv gefordert

Dem Beispiel des großzügigen Gönners der Stadt Görlitz folgend, wird auch das Thema Mäzenatentum in der Ausstellung aufgegriffen. Viele der Dinge, von denen die Bürger der Stadt bis heute profitieren, wären ohne die Großzügigkeit längst verstorbener Spender, Stifter und Mäzene nicht vorhanden. Mehr dazu erfahren Besucher in der blauen Ausstellungsbox.

Sie werden eingeladen, dem Vorbild der/des großen Unbekannten zu folgen und sich für den Erhalt historischer Bausubstanz in Görlitz einzusetzen.

Sie können in der Ausstellung selbst aktiv werden und sich symbolisch und praktisch als Spender/in engagieren, als Restaurator/in betätigen sowie persönlich Danke sagen.

Dazu erhält jeder Gast mit dem Kauf des Tickets ein Säckchen mit Zutaten. Wie bei den realen Projekten kann auch hier jeder nur einen kleinen Beitrag leisten. Erst wenn viele Besucher sich beteiligen, wird das große Ganze sichtbar. Mal kommt ein Buntstift zum Einsatz, mal kann man mit einem Wattestäbchen Schichten von der Oberfläche abtragen, mal kann man Projekte honorieren und an anderer Stelle kann man direkt eines von drei Sanierungsvorhaben unterstützen. So können sich Besucher an der Restaurierung der Apostelfiguren des Kanzelkorbes aus der Kathedrale St. Jakobus beteiligen. Eine zweite Möglichkeit, sich zu engagieren, bietet ein Projekt der Evangelischen Kulturstiftung Görlitz auf dem Nikolaifriedhof. Hier ist die Restaurierung des Epitaphs im Grufthaus Moller geplant. Für ein drittes Projekt bittet das Kulturhistorische Museum Görlitz um Unterstützung. Zum Schutz vor weiteren Schäden und um die Pieta aus Melaune (um 1420, unbekannter Künstler) künftig präsentieren zu können, muss die Oberfläche der hölzernen Skulptur gefestigt und gereinigt werden. 

Die Mitmachstationen sind in der Ausstellung mit einem „Säckchen-Symbol“ gekennzeichnet.

 

Es bleibt ein Rätsel um die/den großen Unbekannten, doch die Besucher können in der Ausstellung ihre eigene Vorstellung entwickeln.

Nicht zuletzt besteht hier für jede/jeden die Gelegenheit persönlich Danke zu sagen. Die großen Blumen an den Außenwänden bieten Platz für Klebezettel, auf denen man seine Nachricht hinterlassen kann.

 

Begleitprogramm

Mit Ausstellungsführungen, Kulturgeschichtlichen Spaziergängen, Eigentümer- und Werkstattgesprächen sowie weiteren Veranstaltungen lädt das Kulturhistorische

Museum Görlitzer und Gäste der Stadt herzlich zum Besuch der Ausstellung „Das Wunder

der Görlitzer Altstadtmillion“ und der vorgestellten Denkmale im Stadtgebiet ein!

In Kürze folgen wird ein Buch über das „Wunder in Görlitz“, das in Zusammenarbeit mit dem Monumente-Verlag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz herausgegeben wird

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr, Freitag bis 20:00 Uhr
Eintritt Sonderausstellung: 3,50 Euro/Person

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